Gesunder Lebensstil schützt

„Herz in Gefahr“ – Ärztevorträge über Notfälle und deren Vorbeugung

Wie jedes Jahr hat der Herztag von AOK, Vhs, ärztlichem Kreisverband, den Kliniken in Straubing und Bogen und der Deutschen Herzstiftung den Veranstaltern ein volles Haus im Foyer der AOK beschert. Kein Wunder, denn noch immer sind Herz- und Kreislauferkrankungen die Todesursache Nummer eins in Deutschland. 800 000 Menschen landen jährlich wegen eines Herzinfarktes im Krankenhaus, sagte der AOK-Direktor Georg Kagermeier am Montagabend bei der Begrüßung. Sechs Herzspezialisten aus der Region klärten das Publikum auf über Ursachen, Maßnahmen im Notfall und mögliche Vorbeugung. Wichtigste Botschaft: Bei akuten Beschwerden sofort handeln und zur Vermeidung den Lebensstil ändern.

Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen ist bekanntlich Sport ein probates Mittel. Ausdauerbewegung erhöhe die Lebenserwartung, sagte der Kardiologe Dr. Christoph Günther vom Klinikum St. Elisabeth. Vor dem Loslaufen oder -radeln sei es jedoch ratsam, sich erst einmal ärztlich durchchecken zu lassen. Außerdem solle man sich erst einmal Gedanken über die passende Sportart machen. Für den, der keinen Gefallen an Schwimmen, Walken oder Gymnastik findet, biete der Alltag auch viele Möglichkeiten, Bewegung zu integrieren wie Treppensteigen oder Gartenarbeit. Der Schlussspurt beim Dauerlauf sei jedoch ebenso falsch wie Training, obwohl man sich krank fühlt.

Dr. Dionys Daller, Chefarzt an der Kreisklinik Bogen, ermutigte die Zuhörer, bei einem kardiologischen Notfall Erste Hilfe zu leisten. Nach dem Notruf dürfe man keine Zeit verschwenden, deshalb sei es wichtig, das Szenario vorher schon gedanklich durchzuspielen. Selbst beim Horror-Notfall Herzstillstand sei der geschulte Laie in der Lage, Leben zu retten. Herzdruckmassage, Mund-zu-Mund-Beatmung oder die Anwendung eines Defibrillators könnten Leben retten. „Übernehmen Sie soziale Verantwortung und machen Sie einen Erste-Hilfe-Kurs“.

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Bildunterschrift

Das Herz und seine Gesundheit liegt ihnen am Herzen: Dr. Dionys Daller, Prof. Dr. Christian Zugck, Dr. Christian Baier, Volker und Elke Mehr (Deutsche Herzstiftung), Dr. Regine Langer-Huber, Prof. Dr. Sebastian Maier, Dr. Christoph Günther und AOK-Direktor Georg Kagermeier beim „Herztag“ (v.l.).

Medikamente gehören ins Handgepäck

Da die ältere Generation heutzutage besonders reiselustig ist, aber gleichzeitig die größte Gruppe der Herzpatienten darstellt, informierte die Kardiologin Dr. Regine Langer-Huber über mögliche Gefahren auf Reisen und gab praktische Tipps für die Urlaubsplanung. Medikamente gehörten beim Flug ins Handgepäck, ebenso wie das Blutdruckmessgerät. Von Flugreisen abraten müsse man lediglich bei schwerer Herzschwäche. Zur Vorbeugung von Thrombosen empfahl sie Stützstrümpfe und warnte Herzkranke vor Tropenreisen. Träger von Stents, künstlichen Herzklappen oder Bypass-Patienten sollten die Reise mit ihrem Hausarzt gründlich besprechen.

Der Herzkatheter-Spezialist Prof. Dr. Christian Zugck beleuchtete die Wechselwirkungen von seelischen Erkrankungen und Herzbeschwerden. Oft sei es schwer zu unterscheiden, ob die psychischen Symptome die Folge oder die Ursache der organischen Erkrankung sei. Durch moderne Diagnostik müsse man deshalb genau abklären, wodurch Herzrasen oder Schwächegefühl ausgelöst wurden. Auf jeden Fall verändere etwa eine Herzinsuffizienz das soziale und berufliche Leben des Patienten und wirke sich damit auch auf die Psyche aus. Umgekehrt habe aber ein Patient, der an einer Depression leide, ein deutlich höheres Herzinfarkt-Risiko. Um den Erkrankten umfassend zu behandeln, sei eine Kooperation unter den Fachärzten wichtig. Viele Patienten wünschten als Behandlung eine Psychotherapie und weniger Medikamente, oft sei aber eine Parallellösung vonnöten.

Starke Schmerzen oder Brennen in der Brust, Atemnot, Übelkeit – die klassischen Symptome eines Herzinfarktes. Wie Betroffene und Angehörige in diesem Notfall angemessen reagieren können und was anschließend in der Klinik passiert, schilderte Prof. Dr. Christian Maier, Chefarzt am Klinikum St. Elisabeth. Auf keinen Fall solle man abwarten, sondern unverzüglich unter der Nummer 112 den Notarzt (nicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst) holen. Da beim Herzinfarkt ein Teil des Herzmuskels durch Verschluss der Herzkranzgefäße absterbe, sei die schnellstmögliche Wiedereröffnung, meist durch Herzkatheter, das Ziel. Es gelte die Faustregel „Zeit ist Muskel“.

 

„Rauchen ist ein Gefäßkiller“

Damit all diese Situationen gar nicht eintreten, könne der Einzelne sehr viel tun, sagte der Kardiologe Dr. Christian Baier vom Klinikum St. Elisabeth. 80 bis 90 Prozent der Erkrankungen der Herzkranzgefäße seien dem heutigen Lebensstil geschuldet: falsche Ernährung, Übergewicht, mangelnde Bewegung und Stress. Bekanntlich besonders schädlich sei das Rauchen, „ein Gefäßkiller“, sagte Dr. Baier. Wer damit aufhöre, halbiere das Risiko. Durch Gewichtsabnahme, Ausdauersport und eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch könne man in vielen Fällen Medikamente einsparen.