Greifbare Überlebens-Chance

Netz automatischer Defibrillatoren weiter angewachsen – Rotary-Initiative

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Dr. Regine Langer-Huber motiviert Laien, im Notfall eine Herzmassage zu machen – auch ohne Defibrillator.

Begonnen hat alles vor zwölf Jahren mit einer bemerkenswerten Initiative der beiden Rotary-Clubs Straubing und Straubing-Gäuboden, die auf das Privat-Engagement der beiden Kardiologen Dr. Regine Langer-Huber und Dr. Dionys Daller zurückgeht. Es wurde im öffentlichen Raum und in zahlreichen leicht zugänglichen Einrichtungen ein dichtes Netz an automatischen externen Defibrillatoren (kurz Defi) geknüpft. Zuletzt vor drei Jahren hat Dr. Regine Langer-Huber eine Karte von Stadt und Landkreis angeregt, auf der die Standorte markiert sind. Jetzt hat sie die Aktualisierung betrieben. Mit allem Grund: Die Zahl der Defis ist von knapp über 80 in Stadt und Landkreis auf jetzt über 110 angewachsen.

Ziel bleibt ein wirklich flächendeckendes Netz. Dem kommen die beiden Initiatoren, die Rotarier und die zahlreichen Unterstützer, Sponsoren und Spender Schritt um Schritt näher. Die Motivation ist die gleiche geblieben. „Immer noch überleben in Deutschland höchstens sieben Prozent aller Menschen einen plötzlichen Herztod durch Wiederbelebung ohne Schäden“, zitiert Dr. Regine Langer-Huber die Statistik. Die Zahl erfolgreicher Reanimationen habe bundesweit an verschiedenen öffentlichen Plätzen durch Beschaffung von Automatischen Defibrillatoren deutlich bis zu 50 Prozent erhöht werden können.

Auch in Straubing und im Landkreis Straubing-Bogen wurden schon im ersten Jahr des Defi-Projektes drei Menschen erfolgreich im Akutfall sofort defibrilliert. „Sicher sind auch mit Defibrillatoren nicht alle Wiederbelebungen erfolgreich, aber man hat dann zumindest im Wettlauf mit der Zeit alles versucht“, sagt die Kardiologin. Die sogenannte Laien-Reanimation sollte idealerweise sofort von Augenzeugen begonnen werden, da die sofortige Herzdruckmassage selbst ohne Defibrillator die Überlebensrate um das Zwei- bis Dreifache steigern kann. Leider werde sie nur in 10 bis 20 Prozent der Fälle eingesetzt. Seit die beiden Straubinger Rotary Clubs 2005 ihre Initiative starteten, haben sich Unternehmen, Banken, Arztpraxen und Apotheken, Straubinger Tagblatt, Oberbürgermeister, Landrat und Bundestagsabgeordneter und viele mehr angeschlossen und Defibrillatoren finanziert oder vermittelt. Die jeweiligen Mitarbeiter-Teams sind jährlich von den Kardiologen geschult worden. Statt eines Honorars sind wieder neue Geräte angeschafft worden. Es fanden und finden sich immer wieder Privatpersonen, Betriebe, Ärzte, Vereine, die Geräte finanzieren, wenn diese am Standort als sinnvoll angesehen werden.

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Die Standorte automatischer Defibrillatoren im Stadtgebiet.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist in den Augen von Dr. Regine Langer-Huber, die Bevölkerung immer wieder regelmäßig zu erinnern, dass es diese Defibrillatoren gibt und wo sie sich befinden. Deshalb die jetzige Aktualisierung.

Die Scheu, eine Herzmassage durchzuführen, sei leider bei Laien immer noch sehr groß, bedauert die Kardiologin. Die regelmäßige Teilnahme an Wiederbelebungskursen der Rettungsdienste sei deshalb zu empfehlen. Sowohl BRK als auch Malteser Hilfsdienst oder betriebliche Weiterbildungen führten Schulungen zur Wiederbelebung nur noch mit Defibrillatorschulung durch. Es gebe Untersuchungen, dass 70 Prozent der geschulten Personen sich nach einem Jahr in der Akutsituation die Wiederbelebung nicht mehr zutrauen. „Das zeigt, wie wichtig regelmäßige Schulungen sind.“

Deshalb begrüßt die Kardiologin, dass es inzwischen in fast allen Schulen Straubings einen Schulsanitätsdienst gibt, bei dem Schüler der höheren Klassen engagiert mitmachen und so frühzeitig an Wiederbelebungstraining herangeführt werden. In diesem Zusammenhang stiftete der Rotary Club Straubing-Gäuboden und Freundeskreise dem Turmair-, Ursulinen-, Anton- Bruckner- und Ludwigsgymnasium und anderen Schulen in Stadt und Land weitere Geräte.

„Es ist toll, dass die Straubinger ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Ersthilfe entwickelt haben und sich Nachhaltigkeit entwickelt hat“, freut sich die Stadträtin. Sie versichert: „Man kann nichts verkehrt machen außer nicht zu helfen.“

 

Info

Die Defi-Karte wird auch auf der Homepage der Stadt Straubing aktualisiert. Seit einigen Jahren gibt es die App Defi Now, wo sich alle Standorte mit genauem Zugang und Öffnungszeiten der jeweiligen Einrichtung befinden.