Welche Blutverdünnung für wen?

Dr. Regine Langer-Huber referiert am 23. Februar im Rehazentrum

Welche Blutverdünnung für wen?

Dr. Regine Langer-Huber referiert auf Einladung der Intensiv-Herzgruppe im Rehazentrum.

Eine tiefe Beinvenenthrombose, Vorhofflimmern mit Schlaganfall, Herzkathetereingriff mit Stent-Implantation oder eine künstliche Herzklappe und etliche andere Herz- und Gefäßerkrankungen erfordern die Einnahme blutverdünnender Medikamente. Einer Vielzahl von Medikamenten zu verschiedenen Indikationen stehen Gefahren gegenüber, insbesondere bei älteren Menschen oder Begleiterkrankungen. Kardiologin Dr. Regine Langer-Huber, die seit Januar mit ihrem Mann Dr. Martin Huber (Internist) in der Bahnhofstraße 1 in neuen Räumen tätig ist, referiert in der Vortragsreihe der Intensiv-Herzgruppe im Rehazentrum im Gäubodenpark (Eingang Ärztehaus) am Dienstag, 23. Februar, 19 Uhr, zu dieser Problematik. Der Eintritt ist frei.

Die tiefe Beinvenenthrombose ist laut Dr. Regine Langer-Huber die häufigste Ursache einer Verschleppung von Blutgerinnseln. Nach der Diagnose sollten alle Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose und akuter Lungenarterienembolie eine frühzeitige Blutverdünnung erhalten. Heparine intravenös oder subkutan gegeben gehörten zur Standardtherapie. Im Anschluss daran seien Vitamin-K-Antagonisten (zum Beispiel Coumarine wie Marcumar) Mittel der Wahl. Nachteil seien die Notwendigkeit regelmäßiger Bestimmung des Quick-/INR-Wertes im Blut und Blutungskomplikationen. Diese Nachteile könnten durch die neuen direkten oralen Blutverdünner (DOAK) vermieden werden. Aber auch bei den neuen Substanzen gebe es Neben- und Wechselwirkungen. Die Dauer der Behandlung erfolge individuell nach Abwägung des Rezidiv- und Blutungsrisikos. Auch auf genetische Dispositionen wird beim Vortrag eingegangen.

Bei Menschen mit Vorhofflimmern bestehe ein hohes Risiko für eine arterielle Embolie, am häufigsten Schlaganfall. Auch da sei besonders bei Frauen sowie Risikofaktoren wie Alter, hoher Blutdruck und Diabetes sowie früherer Schlaganfall eine dauerhafte Blutverdünnung angezeigt.

Nach Implantation von Stents (Gefäßstützen) bei einem Herzinfarkt oder einer schweren Blutgefäßverengung nutzten Medikamente wie Marcumar nicht, sondern es sei Aspirin nötig mit einem weiteren Blutplättchenhemmer. Auch für diese Indikationen gebe es noch wirksamere Substanzen, die dann auch ein erhöhtes Blutungsrisiko haben. Noch komplizierter werde es, wenn Patienten sowohl Vorhofflimmern haben als auch eine Stent-Implantation. Immer zu berücksichtigen seien weitere Grunderkrankungen des Patienten wie Nierenschwäche, Diabetes, Bluthochdruck und hohes Lebensalter oder bestehende Gerinnungsstörungen.

Die Fachgesellschaften hätten hierfür Leitlinien entwickelt. Immer müsse der Nutzen gegen das Risiko sorgfältig abgewogen werden. Für das Management der Blutverdünnung vor, während und nach Operationen gebe es für das Pausieren dieser Gerinnungshemmer sehr genaue Empfehlungen. Nie sollte ein Patient die Blutverdünnung eigenmächtig absetzen oder ändern. Auch an Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sei zu denken.