Wenn die Krankheit Regie führt

Arzt-Patienten-Gespräch zu Chronisch-Entzündlichen Darmerkrankungen

Statistiken zufolge gibt es in der Bundesrepublik rund 400 000 Menschen, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leiden. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa dürften die mittlerweile bekanntesten Begriffe sein. Neben körperlichen Beschwerden leiden die Betroffenen auch sozial. Sie ziehen sich zurück. Aktivitäten machen keinen Spaß, wenn man ständig ein Auge auf die rasche Erreichbarkeit einer Toilette haben muss. Die Krankheit übernimmt die Regie über das Leben. Ein Tabu-Thema sind Darmerkrankungen obendrein. Offen ansprechen will ein Arzt-Patienten-Gespräch Diagnose, Therapie und Ernährung am Mittwoch, 27. September, 19 bis 21 Uhr, im Rehazentrum im Gäubodenpark (Eingang Ärztehaus). Veranstalter ist die Internistische Praxis Dr. Huber/Dr. Regine Langer-Huber, mit der DCCV (Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung, Landesverband Bayern). Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Die DCCV zählt allein in Bayern 21 000 Mitglieder und versteht sich als Patientenvereinigung, sagt Elisabeth Kappl. Die DCCV berät Patienten und informiert sie über neue Erkenntnisse. Sie betreibt Öffentlichkeitsarbeit und fördert die einschlägige Forschung. „Bei uns arbeiten Betroffene für Betroffene.“

Aktuelles

Elisabeth Kappl (l.) von der Deutschen Morbus Chron/Colitis ulcerosa Vereinigung, Diätassistentin Sabine Metz-Rem und Magen-Darm-Arzt Dr. Martin Huber laden ein zum Arzt-Patienten-Gespräch.

Gemeinsam mit Internist Dr. Martin Huber und Diätassistentin Sabine Metz-Rem hat sie das Programm für diesen Abend zusammengestellt. Die DCCV wird sich vorstellen. Dr. Martin Huber wird einen Überblick über chronisch-entzündliche Darmerkrankungen geben und bewährte sowie neue Therapien darstellen. Sabine Metz-Rem wird Tipps zur Ernährung geben. Daneben besteht ausreichend Zeit, Fragen zu stellen.

Mit einer chronischen Erkrankung müsse man zwangsläufig eine ganze Zeit leben, sagt Dr. Martin Huber, deshalb erfordere auch der ärztliche Umgang damit viel Einfühlungsvermögen. Den Patienten komme zugute, dass es heute erhebliche Fortschritte in der Therapie gebe und sich die schubweisen Attacken mit Medikamenten in der Regel gut unter Kontrolle halten beziehungsweise beschwerdefreie Phasen verlängern lassen. Dennoch seien die Patienten sehr belastet, vor allem weil die Erst-Diagnose meist in jungen Jahren, zwischen 20 und 30 Jahren, erfolge. Auch Kinder seien schon betroffen.

400 000 Betroffene bundesweit

Die Ursachen kenne man nicht wirklich, sagt Elisabeth Kappl. Ernährung, Umweltfaktoren und Genetik spielen eine Rolle. Nicht minder ein Ungleichgewicht bei der Besiedelung des Darms mit für die Gesundheit notwendigen Bakterien. Und klar sei auch, je entwickelter ein Land ist, umso höher sei die Quote solcher Erkrankungen.

Ernährung mit erhöhtem Nährstoffbedarf

Weil man durch die häufigen Durchfälle viele Nährstoffe verliere, habe man erhöhten Bedarf daran, erklärt Sabine Metz-Rem. Eine ausgewogene Ernährung sei deshalb sehr wichtig. Ihr naheliegender Tipp: Je einfacher und natürlicher die Ernährung, umso besser. Oft hätten Ersatzprodukte riesige Zutaten- und Zusatzstofflisten, die es noch schwieriger machten, Unverträglichkeiten und Allergien klar zu definieren.

Je weniger Komponenten bei einem Gericht, desto besser. Man könne sich langsam herantasten, damit Essen wieder Spaß und keine Angst mache